Groß- und Kleinschreibung
Wann schreibt man „morgen“ groß – und wann klein?
Die Groß- und Kleinschreibung gehört zu den häufigsten Fehlerquellen im Deutschen. Die gute Nachricht: Es gibt klare Regeln. Der Schlüssel ist meist die Frage nach der Wortart – denn Substantive werden großgeschrieben, andere Wortarten schreibt man in der Regel klein.
Immer groß: das erste Wort im Satz
Jeder Satz beginnt mit einem Großbuchstaben, unabhängig von der Wortart: Paul kommt später. Hast du Zeit? Hey!
Immer groß: Substantive (Nomen)
Alle konkreten und abstrakten Nomen werden großgeschrieben – das ist die Grundregel: der Tisch, der Stuhl, die Mathematik, der Rhythmus, die Freundschaft, das Glück. Andere Wortarten schreibt man normalerweise klein: und, oder, heute, mit, ich, laufen, zwei.
Eigennamen
Eigennamen bezeichnen eine bestimmte Person, einen Ort, ein Werk oder ein Ereignis und werden großgeschrieben: Vornamen (Hanna, Elena), Nachnamen (Müller, Wagner), Ortsnamen (Leipzig, Dresden), geografische Namen (Donau, Zugspitze, Rotes Meer), Feiertage (Weihnachten, Ostermontag, Tag der Arbeit, Heilige Drei Könige) sowie Buchtitel und Überschriften (Kurze Antworten auf große Fragen). In Titeln wird das erste Wort großgeschrieben; alle weiteren Wörter folgen den normalen Regeln der Groß- und Kleinschreibung.
Geografische Namen und abgeleitete Adjektive
Offizielle Ortsnamen und geografische Namen sind immer groß: Köln, Sachsen, Baden-Württemberg. Enthalten sie Adjektive, Partizipien oder Zahlwörter, werden auch diese großgeschrieben: das Kap der Guten Hoffnung, das Tote Meer, Bosnien und Herzegowina. Von Ortsnamen abgeleitete Adjektive auf -er werden immer großgeschrieben und sind nicht deklinierbar: der Kölner Dom, Dresdner Stollen, alle Kölner Kirchen. Adjektive auf -isch schreibt man klein (die bayerischen Mädels, ein französisches Baguette), außer sie sind Teil eines offiziellen Namens: die Tschechische Republik, die Europäische Union.
Straßennamen
Aus Nomen zusammengesetzte Straßennamen schreibt man zusammen und groß: Marktplatz, Gartenstraße. Adjektiv ohne Endung + Nomen → zusammen und groß: Langstraße, Hochstraße. Adjektiv mit Endung + Nomen → getrennt, beide groß: Alter Markt, Lange Straße. Ortsname auf -er + Straßenname → getrennt, beide groß: Bonner Markt, Prager Straße. Mehrteilige Namen schreibt man mit Bindestrich: Franz-Schubert-Straße.
Substantivierungen – wenn andere Wortarten zu Nomen werden
Verben, Adjektive und Partizipien werden großgeschrieben, wenn sie als Substantive verwendet werden. Dieser Vorgang heißt Nominalisierung. Erkennungszeichen vor dem Wort können sein: Artikel (das Reden, das Laufen, die Studierenden); Präposition + Artikel (zum Kochen, vom Sehen); Demonstrativpronomen (dieses Schönreden); Possessivpronomen (dein Tanzen, unser Schwimmen) oder Signalwörter wie viel, wenig, alles, etwas, nichts, genug: nichts Neues, etwas Leckeres, alles Gute, genug Schönes. Auch nach als können substantivierte Adjektive stehen: als Angestellter, als Fremder.
Achtung: Pronomen und Zahlwörter wie jemand, niemand, man, einer, keiner, jeder, viele, wenige schreibt man in der Regel klein: die einen, die anderen, die vielen, die wenigen. Sie sind keine typischen substantivierten Adjektive wie das Gute oder etwas Neues.
Zeitangaben: groß oder klein?
Tage und Tageszeiten als Nomen → groß: am Montag, am Vormittag, in der Nacht, von Montag bis Freitag, am Sonntagvormittag. Adverbien mit -s-Endung → klein: sonntags, dienstags, nachmittags, montagnachmittags. Heute, gestern, morgen, vorgestern schreibt man als Adverbien klein: Ich habe heute Vormittag einen Termin. Wichtiges Paar: der Morgen (Beginn des Tages, Nomen → groß) vs. morgen (der nächste Tag, Adverb → klein) vs. morgens (regelmäßig jeden Morgen → klein).
Zahlwörter
Grundzahlen unter einer Million und Ordnungszahlen schreibt man normalerweise klein: hundert, tausend, die zweite Tänzerin, drei Schritte. Groß schreibt man Million und Milliarde. Auch Grundzahlen, die als Nomen verwendet werden, schreibt man groß, zum Beispiel als Ziffer, Note oder Linienbezeichnung: eine Vier bekommen, die Linie Acht nehmen. Substantivierte Ordnungszahlen schreibt man ebenfalls groß: jeder Zweite, die Erste im Ziel. Bruchzahlen als Nomen werden großgeschrieben: das letzte Drittel, zwei Achtel. Klein bleiben Bruchzahlen vor Maßangaben: eine viertel Stunde, ein viertel Kilogramm. Sonderfälle: das erste Mal (Substantiv → groß) vs. noch mal (Adverb → klein); ein Paar (zwei Zusammengehörende → groß) vs. ein paar (einige → klein).
Zusammensetzungen: Grundwort entscheidet
Bei Komposita bestimmt das Grundwort (letzter Wortteil), ob groß- oder kleingeschrieben wird. Ist das Grundwort ein Substantiv → groß: die Sonnenbrille, der Apfelkuchen, der Haustürschlüssel. Ist das Grundwort ein Adjektiv → klein: apfelgrün, hochwertig, steinhart. Trick: Kann man einen Artikel ergänzen? Dann ist es ein Substantiv → groß. die hochwertigen zeitgenössischen Kunstwerke – der Artikel bezieht sich auf Kunstwerke → Großschreibung.

