Verben
Das Verb – das Herzstück des deutschen Satzes
Verben drücken Handlungen, Zustände und Vorgänge. Diese Kategorie gibt dir einen Überblick über die wichtigsten Verbkategorien.
Grammatische Kategorien des Verbs
Jede finite Verbform trägt Informationen über Person (1./2./3.), Numerus (Singular / Plural), Tempus (Zeitform), Modus (Indikativ / Konjunktiv / Imperativ) und Genus verbi (Aktiv / Passiv). Beispiel:
ich komme = 1. Person, Singular, Präsens, Indikativ, Aktiv
es wurde gelesen = 3. Person, Singular, Präteritum, Indikativ, Vorgangspassiv
Die sechs Zeitformen (Tempora)
Präsens – Gegenwart, regelmäßige Handlungen, geplante Zukunft: Ich spiele. Ich spiele jeden Montag. Am Samstag gehen wir ins Kino.
Präteritum – Vergangenheit, besonders in schriftlichen Erzählungen, Berichten und literarischen Texten: Ich spielte. Das Haus sah wunderschön aus.
Perfekt (vollendete Gegenwart) – Vergangenheit, besonders häufig in der gesprochenen Sprache; Bildung: haben/sein + Partizip II: Ich habe gespielt. Er ist gegangen. Viele Bewegungs- und Zustandswechselverben bilden das Perfekt mit sein (gehen, kommen, fahren, einschlafen).
Plusquamperfekt – Vorvergangenheit, also eine Handlung, die noch vor einer anderen Handlung in der Vergangenheit liegt; Bildung: hatte/war + Partizip II: Er hatte sehr lange gelernt, bevor er die Prüfung bestand.
Futur I – Zukunft, Absicht oder Vermutung über Gegenwart oder Zukunft; Bildung: werden + Infinitiv: Ich werde morgen lernen. Er wird wohl schon zu Hause sein.
Futur II – abgeschlossene Handlung in der Zukunft oder Vermutung über die Vergangenheit; Bildung: werden + Partizip II + haben/sein: Bis dahin werde ich angekommen sein. Er wird sich den Arm gebrochen haben.
Aktiv und Passiv
Im Aktiv handelt das Subjekt: Der Junge öffnet die Tür. Im Passiv rückt die Handlung oder ihr Ergebnis in den Mittelpunkt. Bei transitiven Verben wird das Akkusativobjekt des Aktivsatzes zum Subjekt des Passivsatzes. Der Handelnde ist optional und steht mit von + Dativ (Täter) oder durch + Akkusativ (Mittel/Ursache).
Vorgangspassiv (Handlung): werden + Partizip II: Die Tür wird geöffnet. In verschiedenen Zeiten: Präsens wird geöffnet, Präteritum wurde geöffnet, Perfekt ist geöffnet worden, Plusquamperfekt war geöffnet worden, Futur I wird geöffnet werden.
Zustandspassiv (Ergebnis/Zustand): sein + Partizip II: Die Tür ist geöffnet. Es beschreibt den fertigen Zustand nach einer Handlung. Ein persönliches Passiv mit Subjekt ist vor allem bei transitiven Verben möglich. Ein unpersönliches Vorgangspassiv kann aber auch bei manchen intransitiven Verben stehen: Es wird getanzt. Es wird viel gelacht.
Konjunktiv I – Bildung und Verwendung
Der Konjunktiv I wird hauptsächlich in der indirekten Rede verwendet. Bildung im Präsens: Verbstamm + Endungen -e / -est / -e / -en / -et / -en. Besonders wichtig: Die 3. Person Singular endet bei den meisten Verben auf -e: er mache, sie gehe, es komme. Hilfsverben: sein → sei/seiest/sei/seien/seiet/seien; haben → habe/habest/habe/haben/habet/haben; werden → werde/werdest/werde/werden/werdet/werden. Perfekt im Konjunktiv I: Konjunktiv I von haben/sein + Partizip II (er habe gemacht, sie sei gegangen). Futur I im Konjunktiv I: Konjunktiv I von werden + Infinitiv (er werde kommen).
Konjunktiv II – Bildung und Verwendung
Der Konjunktiv II drückt Wünsche, unwirkliche Bedingungen und höfliche Bitten aus: Ich wäre jetzt am Meer! Wenn ich Zeit hätte, käme ich mit. Könntest du mir helfen?
Bildung: Präteritumstamm + Umlaut (wenn möglich) + Endungen: kommen → käme; gehen → ginge; fahren → führe.
Hilfsverben: wäre, hätte, würde.
Modalverben: könnte, müsste, dürfte, sollte, wollte.
Vergangenheit im Konjunktiv II: hätte/wäre + Partizip II: Er hätte es gemacht. Sie wäre gegangen. Wenn die echte Konjunktiv-II-Form altmodisch klingt oder mit dem Präteritum zusammenfällt, ersetzt man sie häufig durch die würde-Form (würde + Infinitiv): Ich würde dir helfen statt Ich hülfe dir. Bei häufigen Verben (wäre, hätte, könnte, müsste) benutzt man meist die echte Form.
Indirekte Rede
In der indirekten Rede gibt man wieder, was jemand gesagt hat – ohne Anführungszeichen und meist im Konjunktiv I. Typische Einleitungen sind: sagen, behaupten, erzählen, fragen, berichten, erklären, bitten, auffordern. Satzbau: ohne dass steht das finite Verb auf Position 2: Er sagt, er sei krank. Mit dass steht das finite Verb am Ende: Er sagt, dass er krank sei.
Vergangenheit in der indirekten Rede: Präteritum, Perfekt und Plusquamperfekt der direkten Rede werden meist zum Konjunktiv-I-Perfekt: Mira sagt, Ben habe ein Tor geschossen. Wenn Konjunktiv I und Indikativ gleich aussehen, zum Beispiel bei wir gehen, weicht man oft auf den Konjunktiv II oder die würde-Form aus: Sie sagen, sie gingen nach Hause. / Sie sagen, sie würden nach Hause gehen. Fragen: Ja/Nein-Fragen mit ob (Er fragt, ob ich komme); W-Fragen mit Fragewort (Sie fragt, wann der Film beginne). Aufforderungen: mit sollen (Der Lehrer sagt, wir sollten leise sein) oder mit Infinitivgruppe (Sie bittet mich, ihr zu helfen).

