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Wortschatz und Wortbildung

Wortstamm und Wortfamilie

Der Wortstamm ist der Kern eines Wortes, der seine Grundbedeutung trägt. Er bleibt bei Ableitungen und Flexion oft erkennbar, kann sich aber manchmal verändern, zum Beispiel durch Umlaut oder Vokalwechsel: Der Stamm von laufen ist lauf-; verwandte Formen sind läuft, gelaufen, der Läufer.

Eine Wortfamilie umfasst Wörter mit demselben oder einem verwandten Wortstamm, die durch Vorsilben, Nachsilben, Flexion oder Zusammensetzung erweitert wurden: Zur Familie von schreib- gehören schreiben, beschreiben, Beschreibung, abschreiben, Schreiber. Das Erkennen des Wortstamms hilft, Bedeutungen neuer Wörter zu erschließen und richtig zu schreiben. Das nennt man auch Wortstammprinzip.

Wortbausteine: Präfix – Stamm – Suffix – Endung

Viele Wörter lassen sich in Bausteine zerlegen: Präfixe stehen vor dem Stamm, Suffixe folgen nach dem Stamm, Endungen zeigen grammatische Formen an. Beispiel: Verlauf = Präfix ver- + Stamm lauf; Läuferin = Stamm Läuf- + Suffix -er + Suffix -in. Eine grammatische Endung sieht man zum Beispiel in Läuferinnen oder läufst. Durch das Kombinieren von Bausteinen entsteht oft eine neue Bedeutung und manchmal auch eine neue Wortart.

Trennbare und untrennbare Vorsilben

Trennbare Vorsilben oder Verbzusätze werden beim Konjugieren vom Verb getrennt und wandern ans Satzende: auf-, an-, ab-, aus-, bei-, ein-, her-, hin-, mit-, nach-, vor-, zu-, zusammen-, zurück-. Beispiel: Ich sehe am Abend fern. (fernsehen). Untrennbare Vorsilben bleiben immer mit dem Verb verbunden: be-, ge-, ent-, er-, ver-, zer-, emp-, miss-, hinter-. Beispiel: Ich besuche meine Oma. (besuchen – nie: „Ich suche meine Oma be.“)

Sammelnamen und Oberbegriffe

Sammelnamen bezeichnen eine ganze Gruppe ähnlicher Dinge oder Lebewesen: Obst fasst Äpfel, Birnen und Bananen zusammen; Möbel steht für Tische, Stühle und Schränke; Besteck umfasst Messer, Gabeln und Löffel; Geflügel bezeichnet zum Beispiel Hühner, Gänse und Enten. Sammelnamen sind Substantive und werden großgeschrieben. Sie helfen, viele einzelne Dinge mit einem gemeinsamen Wort zu benennen.

Wortfeld

Ein Wortfeld ist eine Gruppe von Wörtern mit ähnlicher, aber nicht identischer Bedeutung, die sich alle um einen Grundgedanken gruppieren. Zum Wortfeld „sagen“ gehören: sprechen, erzählen, fragen, rufen, flüstern, berichten, verkünden. Der Unterschied zum Synonym: Wörter im Wortfeld teilen ein Thema, sind aber nicht immer austauschbar. Flüstern ist leise, rufen ist laut. Ein reicher Wortschatz entsteht dadurch, dass man für einen Grundbegriff viele passende Wörter kennt.

Synonyme und Antonyme

Synonyme sind Wörter mit gleicher oder sehr ähnlicher Bedeutung: groß – riesig; schön – hübsch; schnell – flink; beginnen – starten; der Fehler – der Irrtum. Synonyme machen Texte abwechslungsreicher, sind aber selten vollständig bedeutungsgleich – der Kontext entscheidet.

Antonyme sind Wörter mit gegenteiliger Bedeutung: hell – dunkel; leicht – schwer; freundlich – unfreundlich; der Anfang – das Ende; geben – nehmen. Viele Antonyme entstehen durch die Vorsilbe un- (freundlich → unfreundlich) oder andere verneinende Präfixe.

Homonyme

Homonyme sind Wörter, die gleich geschrieben oder gleich ausgesprochen werden, aber verschiedene Bedeutungen haben. Die Bedeutung ergibt sich erst aus dem Kontext: die Bank (Sitzgelegenheit) vs. die Bank (Geldinstitut); der Ball (Spielball) vs. der Ball (Tanzveranstaltung); die Leiter (Steigleiter) vs. der Leiter (Vorgesetzter); umfahren (einen Umweg nehmen) vs. umfahren (jemanden mit einem Fahrzeug zu Fall bringen). Homonyme sind eine häufige Quelle von Missverständnissen – und von Wortspielen.


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