Zusammensetzungen
Wer bestimmt den Artikel von „Schreibtisch“ – und wann braucht man ein Fugen-s?
Zusammensetzungen (Komposita) sind ein Markenzeichen der deutschen Sprache: Aus zwei oder mehr bestehenden Wörtern entsteht ein neues Wort mit eigener Bedeutung. Wer die Grundregeln kennt, kann Komposita sicher lesen, schreiben und trennen.
Aufbau: Bestimmungswort + Grundwort
Jedes Kompositum besteht aus mindestens zwei Teilen. Das Bestimmungswort steht vorne und liefert zusätzliche Information: In Schreibtisch sagt Schreib-, wozu der Tisch dient. Das Grundwort steht hinten und bestimmt die Grundbedeutung sowie – wenn es ein Nomen ist – den Artikel und das grammatische Geschlecht des gesamten Kompositums.
Merke: Der Artikel des Grundwortes wird der Artikel des ganzen Kompositums. der Tisch → der Schreibtisch; die Schule → die Sprachschule; das Haus → das Krankenhaus; das Spiel → das Fußballspiel.
Das Fugen-s
Zwischen Bestimmungswort und Grundwort steht manchmal ein -s-. Dieses nennt man Fugen-s. Es gehört nicht einfach zum Grundwort, sondern verbindet die beiden Wortteile. Die Verwendung ist nicht vollständig durch feste Regeln erklärbar.
Fugen-s wird häufig verwendet, wenn das Bestimmungswort auf -heit, -keit, -schaft, -ung, -ling, -tum, -ion, -tät oder -ing endet: die Schönheit → das Schönheitsideal; die Möglichkeit → die Möglichkeitsform; die Freundschaft → das Freundschaftsspiel; die Regierung → das Regierungsgebäude; die Bildung → das Bildungssystem; der Liebling → das Lieblingsessen; das Wachstum → die Wachstumsphase; die Information → der Informationstext; die Universität → die Universitätsstadt; das Training → der Trainingsplan.
Auch bei manchen Nomen auf -en oder bei bestimmten Wortfamilien steht ein Fugen-s oder ein anderes Fugenelement: das Leben → der Lebenslauf, das Lebensmittel; der Frieden → der Friedensvertrag; der Name → das Namensschild. Andere Zusammensetzungen haben dagegen kein Fugen-s: schreiben → der Schreibtisch; spielen → der Spielplatz.
Fugen-s wird oft nicht verwendet, wenn das Bestimmungswort feminin ist und nicht auf eine der typischen Endungen wie -heit, -keit, -schaft oder -ung endet: die Weltkugel, der Nachtzug, die Stadtmitte. Es gibt aber Ausnahmen: die Armutsgrenze, die Hilfskraft, die Weihnachtszeit, der Geschichtsunterricht, der Liebesbrief.
Kein zusätzliches Fugen-s steht häufig, wenn das Bestimmungswort bereits auf einen s-Laut endet, zum Beispiel auf -ss, -sch, -ß, -z, -tz oder -st: die Schlosskirche, die Grußkarte, die Herzwärme, der Postbote. Bei Komposita mit Steuer als Grundwort steht ebenfalls in vielen Fällen kein zusätzliches Fugen-s: die Einkommensteuer, die Mehrwertsteuer, die Erbschaftsteuer.

